Eine Karibikinsel befreit sich von Plastikmüll – mit der Biofabrik White Refinery

Guadeloupe: In einem bisher einzigartigen Projekt haben sich die Biofabrik, die International Trading Exchange Inc. und die Antilles Ecopower SAS mit dem Ziel zusammengeschlossen, die größte Insel der französischen Antillen vom Plastikabfall zu befreien. Mit der Biofabrik White Refinery entsteht daraus dringend benötigte elektrische Energie für die Inselgruppe.

Ein Inselparadies löst sein Plastikproblem - und das ist nur der Anfang

Man kann eine 13-stündigen Transatlantikflug machen und trotzdem in der EU landen. Man wird dann bei französischem Wein in kolonialen Straßencafés sitzen können und umgeben sein von karibischem Flair, untermalt von französischer Mundart. Dann ist man auf Guadeloupe, der größten Insel der französischen Antillen.

Die Inselgruppe, die aus sechs bewohnten und vielen unbewohnten tropischen Inseln besteht, ist voll integrierter Teil des französischen Staates ist -und damit der EU. Bezahlt wird also in Euro, es gibt französische Restaurants, Boutiquen und die Amtssprache ist ebenfalls französisch.

Viele europäische Auswanderer haben das Inselparadies als Alterssitz oder stilles Refugium vor der hektischen Welt gewählt. Leicht nachvollziehbar, wenn man aus der durchschnittliche 29° warmen Luft bei einem Glas Wein auf die zauberhaften Buchten schaut. Doch der Schein trügt.

Ein neue Biofabrik White Refinery für eine neue Herausforderung

Als wir im April letzten Jahres darauf angesprochen wurden, ob wir uns der Herausforderung stellen möchten, die erste Großanlage unserer WASTX-Technologie als Prototyp auf der Inselgruppe zu installieren, galt es viele Faktoren abzuwägen. Noch war keine unserer Anlagen fertig entwickelt. Prototypen bedürfen eines deutlich höheren Supportaufwandes als vielfach etablierte Anlagen. Im Falle eines Ausfalls sind 8000 Kilometer Anfahrtsweg, nur bedingt von Vorteil. 

Unser kleines System WASTX Zero, konzipiert für infrastrukturell gut erschlossene Metropolen und Kommunen, ist noch zu filigran für die Anforderungen einer karibischen Region. Prozessstabilität und Einfachheit sind maßgebliche Parameter einer Anlage, die mehr als 5.000 Stunden im Jahr einfach funktionieren soll, ohne dass ein Heer von Ingenieuren in der Nähe ist. 

Und so entschieden wir uns gemeinsam mit dem in Florida ansässigen Investorenteam International Trading Exchange Inc. für ein Anlagenkonzept, welches das Beste unserer hochkomplexen Kleinanlage mit ihrem aufwändigen Steuerungssystem und größeren Systemen, wie wir sie früher entwickelt haben, zu einer funktionalen Einheit für unerschlossenere Regionen verbindet - als Vorführsystem für möglichst viele andere Inseln und abgelegene Regionen, die ihren Plastikabfall in den Griff bekommen und gleichzeitig Energie gewinnen wollen.

Die WASTX One - das beste aus beiden Welten

Im Gegensatz zur deutlich kleineren WASTX Zero, welche bis zu 500 Kilogramm Plastikabfall pro Tag in Energie verwandeln kann, lag die Zielvorgabe von Investoren und Betreibern beim bis zu Fünffachen. Mit einem völlig neu entwickelten Reaktorsystem, das auch grobe Materialien erlaubt, aber automatisch beschickt werden kann und somit autark und selbständig arbeitet, wird der Pyrolyseprozess vollkommen neu aufgestellt. Bekannte Verfahren aus dem Industriereaktorbau werden verbunden mit von uns selbst entwickelten Ein- und Austragssystemen. 

Dadurch wird sich die Anlage selbstständig “füttern“ können und der Betriebsaufwand auf ein Minimum gesenkt. Entsorgungspartner vor Ort sortieren die Abfallströme der Inseln mit automatischen Sortieranlagen so vor, dass nur jene Plastik in unseren Reaktoren landet, die diese auch verarbeiten können. 

Die Steuerungseinheit kann sowohl von den Mitarbeitern vor Ort, als auch vom Entwicklungsteam in Deutschland in Echtzeit überwacht und somit gesteuert werden. So erlangen wir wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen und können in Problemfällen 24 Stunden am Tag direkt aus Dresden per Internet in den Prozess eingreifen und Handlungsanweisungen geben. 

Ein besonderes Merkmal wird die Möglichkeit sein, die erzeugte Energie direkt ins lokale Stromnetz einzuspeisen. Hier unterstützt uns das Governement mit attraktiven Konditionen und hilft damit den Investoren und uns das Konzept nicht nur nachhaltig, sondern attraktiv für weitere Standorte zu machen. Denn so schön und wichtig es auch ist, etwas “Grünes” zu bauen - wenn kein Gewinn damit erzielbar ist, wird es sich nicht im großen Maßstab durchsetzen. 

Immerhin produzieren unsere Anlagen aus einer Tonne Plastik bis zu 700 Liter Kraftstoff und erzeugen damit so viel Energie, dass der Tagesbedarf von mehr als 500 Haushalten gedeckt werden kann. Aus deren eigenem Plastikabfall plus solchem aus Industrieabfällen oder Mülldeponien. Zu diesem Zweck wird ein eigens dafür entworfenes Kraftwerk entwickelt. Dieses muss höchsten europäischen Umweltauflagen genügen, ein Umstand, den wir bereits erfolgreich nachweisen konnten. 

Am Ende wird all dies in Containerbauweise verfertigt und soll in Deutschland noch in 2017 in Betrieb genommen werden. Die fertige Anlage kann dann per Schiff komplett fertig verfrachtet und vor Ort in Betrieb genommen werden. Alle nötigen Genehmigungen wurden bereits erteilt.

Guadeloupe - von der Sklaveninsel zum Vorreiter

Pro Jahr landen Millionen Tonnen Plastikabfall im Meer - mit unsäglichen Auswirkungen auf Tier- und Umwelt. Gleichzeitig haben mehr als 4 Milliarden Menschen weltweit keinen Zugriff auf sichere und preiswerte Energie. 

Daher ist es so erfreulich, dass es möglich wird, unser Konzept mit engagierten Partnern vor Ort und nachhaltig denkenden Investoren zum ersten Mal an einem der Orte zu beweisen, die sich beiden Problemen stellen müssen. Wenn das Projekt erfolgreich verläuft, sind bereits zehn weitere Module bestellt, um die gesamte Inselgruppe nachhaltig zu reinigen und sicher mit Energie zu versorgen. 

Es ist ein schönes weiteres Beispiel dafür, dass man sich gemeinsam auch großen Umweltherausforderungen stellen kann. Die Menschheit hat das schon mehrfach bewiesen oder ist gerade dabei: beim Klimakiller FCKW, beim Umdenken auf nachhaltige Energie oder beim gerade beobachtbaren Umschwenken auf Elektromobilität. 

Es wird Zeit, dass wir als Gesellschaft auch die Problemstellung Plastikabfall angehen und diesen als das sehen, was er ist: eine gigantische oberirdische Energiequelle. Und wo Energie ist, entsteht Wohlstand. Geld dafür ist da wie niemals zuvor - , nur an Beweisen, politischen Rahmenbedingungen und Mut fehlt es noch. Außer bald auf Guadeloupe ;)

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Über den Autor

Oliver Riedel verantwortet als Gründer und CEO die strategische Führung und Geschäftsentwicklung der Biofabrik-Gruppe. 1999 gründete er mit Lebensmittel.de den ersten deutschen Online-Supermarkt. Nach dessen Verkauf im Jahr 2009 begann er, in der Biofabrik Enthusiasten aus Engineering, IT, Biologie und anderen Wissenschaften um sich zu sammeln, um Lösungen für essenzielle Probleme der Welt zu schaffen. Oliver wünscht sich eine Welt, in der alle "Du" zu einander sagen.